Presse + Medien - 2004 - Es kommt doch auf die Grösse an - KLM e. V.
18. Juni 2004
Es kommt doch auf die Grösse an
Hochgewachsene Menschen erreichen mehr im Leben
Mächtige Politiker und Topmanager haben viele Gemeinsamkeiten. Die vielleicht überraschendste davon ist eine überdurchschnittliche Körpergröße: 91 Prozent der führenden deutschen Manager sind größer als 1,80 Meter - ebenso wie 35 der 43 amerikanischen Präsidenten.
Und auch für den Durchschnittsbürger macht sich ein höherer Wuchs im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt. So deckte eine Studie der Universität im US-amerikanischen Pittsburgh auf, dass Absolventen mit einer Körperlänge von 1,88 Metern ein um 12 Prozent höheres Anfangsgehalt erhalten als ihre kürzeren Kommilitonen. Gleiches gilt für amerikanische Betriebswirte, für deren Berufsausübung die Körpergröße ja nun wirklich keine Rolle spielt: Auch sie kassieren pro zusätzlichem Inch (2,5 Zentimeter) Körpergröße im Schnitt 570 Dollar mehr Jahresgehalt.
Mehr Größe - mehr Gehalt
Dieses Phänomen der erfolgreicheren Großen ist aber nicht auf die USA beschränkt, berichtet das Magazin "bild der wissenschaft" in seiner Juli-Ausgabe. Auch britische und deutsche Studien deckten ähnliche Zusammenhänge auf. So fällt großen Briten der soziale Aufstieg beispielsweise deutlich leichter als kleineren. Diejenigen, die zu den zehn Prozent der Kleinsten gehören, müssen mit fünf Prozent weniger Gehalt auskommen als ihre durchschnittlich groß gewachsenen Kollegen. In Deutschland trifft es hauptsächlich aus den westlichen Bundesländern stammende Männer: Sie bekommen pro Zentimeter Länge 200 Euro mehr Jahresgehalt. Bei Männern aus dem Osten und bei Frauen konnte hingegen kein eindeutiger Zusammenhang festgestellt werden.
Und auch andere Kulturkreise, die nichts mit westlichen Schönheitsidealen zu schaffen haben, ehren große Männer. Sowohl bei den Mehinaku und den Timbira in Brasilien als auch bei den Trobriandern in der Südsee und den Navajo in Nord-Amerika sind mächtige Männer groß.
"Kleine" müssen es selbst schaffen
Natürlich gibt es auch kleine Menschen, die sehr erfolgreich sind. Doch die finden sich nicht unbedingt dort, wo sie von der Gnade eines Parlaments oder eines Aufsichtsrats abhängig sind. So maß der superreiche Selfmademan Aristoteles Onassis gerade 1,65 Meter. Der Milliardär und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone bringt es gar nur auf 1,60 Meter. Und die berühmtesten kleinen Politiker waren nicht von demokratischen Parlamenten gewählt: Hunnenkönig Attila war nur 1,50 Meter groß, der Chinese Deng Xiaoping 1,52 Meter und Nikita Chruschtschow erreichte lediglich 1,60 Meter.
Doch warum sind große Menschen erfolgreicher? Offensichtlich nicht, weil sie qualifizierter sind. Das zeigt beispielsweise eine finnische Studie: Die Führungskräfte eines Unternehmens trauten ihren größeren Mitarbeitern allgemein bessere Managementqualitäten zu. Wurden die Chefs aber nach konkreten Eigenschaften der Kollegen wie Teamgeist oder Realitätssinn befragt, schätzten sie kleinere Mitarbeiter als genauso gut ein wie die größeren.
Evolution bevorzugt Große
Viele Menschen scheinen also intuitiv große Mitmenschen zu bevorzugen. Auf der Suche nach einer möglichen Erklärung für diese Vorliebe stießen britische Forscher auf einen interessanten Zusammenhang: Von zwei gleich großen Erwachsenen verdient derjenige mehr Geld, der bereits als Jugendlicher seine Altersgenossen überragte. Wer als Heranwachsender klein ist, so die Interpretation der Wissenschaftler, entwickelt kein so ausgeprägtes Selbstbewusstsein wie ein großer Jugendlicher. Das zeige sich später in seiner Ausstrahlung und folgerichtig auch in seiner Bewertung im Beruf.
Doch damit ist immer noch nicht erklärt, warum Größe grundsätzlich als positiv gilt. Viele Forscher vermuten, die Vorliebe könne ein Überbleibsel aus der menschlichen Evolution sein. So war fehlende Körpergröße früher möglicherweise ein Hinweis auf eine schlechte Versorgung im Mutterleib. "Länge ist ein Hinweis auf die Qualität der Gene", behauptet dagegen der britische Professor Robin Dunbar in "bild der wissenschaft".
Auch wenn diese Behauptung etwas gewagt erscheint, gibt es doch Hinweise, dass tatsächlich etwas daran sein könnte. So sind größere Menschen im Durchschnitt tatsächlich gesünder als kleinere. Im Vergleich mit Männern, die größer als 1,80 sind, haben Männer unter 1,70 Meter beispielsweise etwa doppelt so häufig hohen Blutdruck. Eine andere Studie zeigt, dass Männer über 1,77 Meter 83 Prozent weniger Probleme mit ihrem Herzen oder ihrem Kreislauf haben als ihre kurzen Geschlechtsgenossen, die kleiner als 1,65 Meter sind.
(N24.de, ddp)