2007 - In allen Dingen immer einen Kopf größer - KLM e. V. - Presse + Medien

In allen Dingen immer einen Kopf größer

Der Klub Langer Menschen besucht das erste Badische Schnapsmuseum in Bärental

FELDBERG. Misst die Körpergröße als Frau mindestens 1,80 Meter und als Mann gar 1,90 Meter, dann steht einer Mitgliedschaft im Klub Langer Menschen keine Hürde mehr im Weg. Anders im Alltag: Dort versperrt sich die Gesellschaft häufig den Problemen der Großen. "Wir haben trotzdem keine politischen Motive, bei uns steht die Geselligkeit im Vordergrund" , sagt die Bundesvorsitzende Helga Schunk am Rande eines Ausflugs, der die Langen Frauen und Männer zu Erich´s Schnapsmuseum nach Bärental führte.

"Das ist auf jeden Fall eine Seltenheit" , sagt Erich Bizenberger, Inhaber des Cafés zum G´scheiten Beck. In der Tat ist die Kundschaft an diesem Montag außergewöhnlich. Aus ganz Europa, teilweise aus Amerika sind sie angereist, um dem Chef beim Schnapsbrennen zuzusehen - besser herunterzuschauen.

Der Klub Langer Menschen hat derzeit in Freiburg sein Europatreffen und kam auf einen Abstecher in den Schwarzwald. Groß ist hier normal, für viele der Grund zur Teilnahme an den Treffen. "Einfach so zu sein wie alle anderen" , fasst die Bundesvorsitzende das Motto zusammen. Viele der Großgewachsenen, hatten in ihrem Leben mit Sticheleien seitens ihrer Mitschüler oder Kollegen zu kämpfen. "Geh doch aus der Dachrinne saufen du Spargeltarzan" lauteten die Anspielungen, die insbesondere Teenager arg verletzen können. "In meiner Jugendzeit dachte ich selbst darüber nach meine Knochen operativ zu verkürzen" , erinnert sich Helga Schunk, die Organisatorin der Treffen. Heute ist sie mit 1,86 Meter eine der Kleinsten im Raum, auch ohne Operation. "Wir betreiben hier keine Krisenbewältigung oder Lobbyarbeit, die Leute sollen in der Woche einfach Spaß haben" , sagt Organisationsleiter Peter Drißen. Er selbst kam vor acht Jahren zum Club, bei einer Karnevalsveranstaltung traf er seine heutige Frau. "Sie war die einzige, die auch aus der Masse ragte, ein kurzer Blickkontakt und wir hatten einander" sagt Peter Drißen.

Der Klub Langer Menschen umfasst deutschlandweit 3000 Mitglieder und wurde 1953 von drei Männern in München gegründet. Zusammen mit einem Textilhersteller entwarfen die Gründer damals die erste Unterwäsche Kollektion für Großgewachsene. Mittlerweile ist ein europaweites Netzwerk entstanden, bei den Treffen werden Freundschaften weit über die Landesgrenzen hinaus geschlossen. Rodney Ledger kommt ursprünglich aus England und arbeitet in Osnabrück. "In England trousers are always to short" , sagt der Brite, während er mit den Händen die unzureichende Beinlänge englischer Hosen andeutet. Er kommt gerne zu den Treffen und freut sich mit den anderen Langen umher zu ziehen, auch wenn sie ab und zu mit einer Basketball Mannschaft verwechselt werden.

In Deutschland hat sich im Bereich der Kleidungsgrößen etwas getan, viele Läden führen heute Übergrößen. "Es gibt aber nach wie vor ein Größenraster" , sagt Peter Drißen. Liegt man darüber oder auch darunter wird der Kauf zur Herausforderung. Warum macht ein Verein mit so viel Resonanz nicht mehr auf solche Missstände aufmerksam? "Viele Lange sind eher schüchtern, wir sind keine Rebellen" , sagt die Bundesvorsitzende. Dennoch stimmt es sie traurig, wenn wieder mal eine DIN Norm heruntergesetzt wird. "Wir Langen passen eben in kein Raster" sagt Helga Schunk abschließend - "wir sind was Besonderes."