Presse + Medien - 2003 - Keine Chance für Südländer - KLM e. V.
Keine Chance für Südländer - Jubiläum im Club der Langen
Badische Zeitung vom Dienstag, 27. Mai 2003
BERLIN (dpa). Es gibt Klubs, in denen die wahre Größe zählt und das geeinte Europa an seine Grenzen stößt. Italiener, Spanier, Griechen - sie alle haben keine Chance beim Europatreffen der Superlative. Denn sie sind einfach zu klein für den Klub Langer Menschen (KLM), der seit Montag in Berlin für Aufsehen sorgt. 600 lange Kerls und Ladys treffen sich eine Woche, um das 50-jährige Bestehen ihres Zusammenschlusses zu feiern - als buchstäblich überragendes Ereignis neben dem ökumenischen Kirchentag und dem Fußballpokalfinale.
Willkommen heißt es, wenn die Herren mehr als 1,90 Meter messen und die Damen mindestens 1,80. Wobei diese Eintrittsgröße fast als Bonsai-Wert gilt. Ein echter KLM-Fan ist zwischen 1,95 und 2,05 Meter groß, der Spitzenwert der Herren liegt bei 2,20 Metern. Und so werden es vor allem Niederländer, Skandinavier und eben Deutsche sein, die sich beim Europaball die Hand reichen.
Galten seine vier Münchner Gründer, allesamt Zwei-Meter-Männer, 1953 als Riesen, ist diese Größe heute kein Grund zum Anstarren mehr. Es gibt mehr als vier Millionen Deutsche mit mehr als 1,80 Meter. Das Berliner Robert-Koch-Institut weiß, dass 18-jährige Jungen heute durchschnittlich 1,78 Meter groß werden. Damit überragen sie ihre Väter um sechs Zentimeter; die Mädchen erreichen durchschnittlich 1,65. Seit 1900 legten die Deutschen sogar bis zu 20 Zentimeter zu. Mediziner sehen die Gründe dafür in besserer Ernährung und Gesundheitsvorsorge. Allerdings ist, sagen Wissenschaftler, das genetische Wachstumspotenzial ausgereizt.
Die organisierten langen Deutschen wollen ihre Interessen besser durchsetzen. "Kleidung oder Schuhe zu finden ist immer noch schwierig und teuer", berichtet Ivonne Winkler von Mohrenfels. Auf die Europa-Idee sind die nordischen Großen beim Jubiläumstreffen nicht gut zu sprechen. "Durch die kleinen Südländer schrumpfen auch die EU-Normen", bedauert die Berlinerin Mohrenfels, "in Autos wird es für uns künftig enger".