Presse + Medien - 2003 - Kleiner Mann, große Frau - KLM e. V.

2. Oktober 2003

Kleiner Mann, große Frau

Wo die Liebe hinfällt, sollte Größe keine Rolle spielen

Wenn Paare Hand in Hand spazieren gehen, muss meist "sie" zu "ihm" aufblicken. Ist der Mann aber selbst dann noch kleiner als seine Frau, wenn diese keine Stöckelschuhe trägt, ziehen die beiden oft die Blicke anderer auf sich. Denn in den Augen der meisten Menschen hat ein Mann größer zu sein als seine Partnerin. Verliebt sich eine Frau dennoch in einen kleineren Mann, sollte das kein Hinderungsgrund für den Beginn einer Beziehung sein. Die vermeintlich "komischen" Pärchen müssen sich aber ein dickes Fell gegen Sticheleien zulegen - und lästernden Zeitgenossen am besten mit Humor begegnen.

Größe steht für Kraft, Stärke und Erfolg

"Das sieht für viele einfach komisch aus", bringt Kristina Heiser, Psychologin an der Medizinischen Hochschule Hannover und Expertin für Partnerschaft und Sexualität, die gängige Empfindung auf den Punkt. "In westlichen Kulturen ist es eben üblich, dass der Mann größer und älter ist als die Frau." Größe wird nach Worten von Professor Manfred Hassebrauck, Attraktivitätsforscher an der Universität Wuppertal, mit Kraft, Stärke und Erfolg verbunden - Attribute nach denen seit jeher vor allem Männer streben.
Forscher an der Universität Wroclaw (Breslau) in Polen haben sogar eine Formel ermittelt, nach der Menschen - gesteuert vom Unterbewusstsein - ihre Partner auswählen, wie die in Hamburg erscheinende Zeitschrift "Vital" jüngst berichtete. Der Formel zufolge hat beispielsweise ein 1,88 Meter großer Mann die perfekte Größe für eine Frau, die 1,72 Meter misst.

"Warum hat so eine große Frau einen so kleinen Mann?"

Dagegen spielt sich beim Anblick von Paaren, bei denen die Frau den Mann "überragt", in den Köpfen der meisten Menschen etwas ab, das in der Fachsprache Attributionsprozesse genannt wird: "Wir stellen uns dann die Frage: Warum hat so eine große Frau einen so kleinen Mann?", sagt Hassebrauck. Die Antwort fällt meist zu Gunsten des Mannes aus: Dieser müsse, so schlussfolgern die meisten, etwas ganz Besonderes haben, um bei einer großen Frau "landen" zu können. Das Urteil über die Frau lautet Hassebrauck zufolge dagegen oft: "Die muss irgendeine Macke haben, wenn sie keinen größeren Mann findet."
Im Idealfall könnten die beiden Partner derartiges an sich abtropfen lassen, so Kristina Heiser. "Wenn sie wirklich dazu stehen, werden sie gar nicht erst schräg angeschaut", bestätigt Christiane Papastefanou, Psychotherapeutin aus Ludwigshafen. Wird trotzdem allzu offensichtlich gelästert, ist es nach Heisers Worten am klügsten, Humor zu zeigen und mit einem "scherzhaften Wort" zu kontern.

Größe ist nicht alles

Auch bei Paaren, die nicht wegen ihren Körpergrößen auffallen, ist die erste Begegnung von "ihm" mit "ihren" Freundinnen ein heikles Thema: Werden sie ihn akzeptieren oder hinten herum tuscheln, weil ihnen irgendetwas an ihm nicht passt? Umso mehr dürften Frauen vor diesem Ereignis zittern, wenn sie davon ausgehen können, dass sich die Freundinnen beim Begrüßungsküsschen zu ihm herunterbeugen müssen. Doch Kristina Heiser gibt zu bedenken: "Ein Mensch erwacht erst dann zum Leben, wenn er den Mund aufmacht." Das heißt: Sofern sich ein kleiner Mann nicht völlig unmöglich verhält, dürften "echte" Freundinnen ihn kaum wegen seines fehlenden Gardemaßes ablehnen.
Nehmen die Lästereien trotz allem kein Ende, kann dies die Partnerschaft belasten und zu Streitereien führen. Oft kommt es gar nicht erst so weit: weil die Frau Hemmungen hatte, eine Beziehung mit einem kleineren Mann einzugehen oder weil der Mann nicht den Mut hatte, eine größere Frau anzusprechen. Nach Meinung der Experten, sollte die Körpergröße jedoch kein Grund dafür sein, es nicht zu versuchen: "Es kommt in einer Beziehung doch auf andere Dinge als auf die Größe", so Papastefanou. Zudem gebe es viele körperlich große Männer, die ihrer Frau nicht die Sicherheit bieten, die ihre Statur ausstrahlt. Und Kristina Heiser ermutigt: "Man sollte im Ernstfall wirklich seinem Herzen folgen."

dpa