Presse + Medien - 2006 - Mein Mann hat jedenfalls kein Problem, mich... - KLM e. V.

Osnabrück 22. Mai 2006

"Mein Mann hat jedenfalls kein Problem, mich in einer Menschenmenge zu finden."

"Spielen Sie Basketball?" "Immer die gleiche Frage", stöhnt Katja Hübschmann: "Ich frage Sie ja auch nicht, ob Sie Minigolf spielen." In der Tat. Die Frage ist im Zusammenhang mit der Körpergröße 1,68 Meter noch nicht aufgetaucht.
Morgen geht das Europatreffen des Klubs Langer Menschen (KLM) in Osnabrück zu Ende. Weibliche Mitglieder ab 1,80 Meter und männliche ab 1,90 Meter aus ganz Europa und einige aus den USA haben hier diskutiert, gefeiert und von Osnabrück aus ein reichhaltiges touristisches Programm absolviert.

In Bussen ging es ins Weserbergland, nach Bremen, ins Museumsdorf Cloppenburg und ins Emsland. Bei der Busfahrt gäbe es schon die ersten Probleme, hätte Jens Hauber, Leiter des KLM Osnabrück, nicht ein Unternehmen gefunden, das für diese besonderen Fahrgäste einige Sitzreihen ausgebaut und somit die erforderliche Beinfreiheit geboten hat.

Wenn Sie sich in einem Hotel anmelden, interessiert Sie sicher der Preis, die Lage und vielleicht Parkmöglichkeiten. Diese Gäste interessiert auch die Länge der Betten. Dass bei einer Länge von 2 Metern schon mal die Füße überstehen, sind sie gewohnt. Gewarnt werden muss aber vor Betten der Standardgröße, die unten eine Kante haben. Da hilft nur, allein ein Doppelbett zu buchen und schräg zu schlafen.

Tagungszentrale ist das Advena Hotel Hohenzollern, das inzwischen 5 der insgesamt 113 Zimmer mit extra langen Betten ausgestattet hat, wie Direktorin Monika Ostermann berichtet. Das Angebot für lange Menschen solle noch weiter ausgebaut werden, sei aber in manchen Zimmern schon aus Platzgründen nicht möglich: Auch ein Zwei-Meter-Mensch möchte nicht gerne übers Bett hüpfen, um zur Sitzecke oder zum Fenster zu gelangen.

"Sehr schön", lobt Jens Hauber das Badezimmer mit dem breiten, fast zur Zimmerdecke reichenden Spiegel. Probleme hat er aber mit dem 1,90 Meter hohen Spiegel im Zimmer: Die letzten 20 Zentimeter nimmt die Beleuchtung weg. "Wenn meine Frau das Badezimmer belegt und ich nur mal schauen will, ob ich ordentlich gekämmt bin, muss ich in die Knie." Monika Ostermann sagt zu, die Spiegel höher zu hängen, wenn die Zimmer das nächste Mal gestrichen werden. Den Großen ist damit geholfen, die Kleineren können sich immer noch gut sehen.

20 Jahre gibt es den KLM in Osnabrück, und zumindest eine Ehe ist daraus hervorgegangen. Schatzmeisterin Martina Kowaljow (1,80 Meter) hat hier ihren Mann kennen gelernt. "Im Klub habe ich das erste Mal mit einem Mann getanzt, der größer ist als ich." An Tanzstundenzeiten hat sie keine besonders guten Erinnerungen: "Wer bleibt denn beim Auffordern über? Die großen Mädchen und die kleinen Jungen." Und denen bleibt dann nichts anderes übrig, als gute Miene zur unproportionalen Zusammenstellung zu machen.

Zu den Problemen langer Menschen gehört immer die Kleidung, auch wenn das Angebot in den vergangenen Jahren besser geworden ist, wie es von den Klubmitgliedern heißt. "Aber zu meiner Konfirmation musste ich noch mit einer Herrenhose gehen", erzählt Monika König (1,85 Meter): "Ich habe nichts anderes gefunden."

Auffallend im Tagungsbüro ist die gute Laune. Es kann also nicht so schlimm sein, die meisten anderen Menschen zu überragen. "Selbst im dicksten Trubel der Maiwoche verliere ich meinen Mann nie aus den Augen", lacht Martina Kowaljow. Und wenn im Bad die Fliesen geputzt werden müssen, brauchen sie keine Leiter. Urs Hübschmann hat die Decke in seinem Wohnzimmer selbst getäfelt und musste sich nicht mal strecken.

Wer Größe zeigen will, muss Vergleiche bieten. Ute Konermann, Restaurant- und Bankettleiterin im Hotel Advena, macht für ein Foto den Spaß mit. 1,64 Meter misst sie und ist damit nicht übermäßig klein. Wenn sie aber unter dem ausgestreckten Arm von Jens Hauber spaziert, kann auch der Mensch in Standardgröße nachvollziehen, warum die Langen manchmal über "Zwerge" witzeln. Gelegenheit dazu gibt es beim Stammtisch an jedem zweiten Freitag im Monat um 20 Uhr im "Le Journal" an der Landwehrstraße 55.