Presse + Medien - 2003 - Riesen erwünscht - KLM e. V.

Riesen erwünscht - Big is better

 

Umarmungen großer Männer fühlen sich an wie ein Etui, das vor der Welt da draußen schützt. Ein Loblied auf die etwas größeren Körper.

Warum ist die Welt bloß so grausam zu den Männern? Da haben sie sich mühsam das Lesen auf dem Klo ab- und quälend lange Vorspiele antrainiert, da sind sie endlich in der Lage, je nach Bedarf romantisch, partnerschaftlich oder leidenschaftlich zu sein, und dann reicht uns das immer noch nicht.

Schuld sind nur die Gene

Wie immer wissen die Evolutionstheoretiker auch für diese unschöne Diskriminierung (die man in Amerika heightism getauft hat) Gründe anzugeben. Es liegt an den ollen Genen, die immer noch in uns toben und sich blödsinnigerweise nicht angewöhnen können, politisch korrekt zu sein. Weil in Urzei-ten der große Mann besser laufen, jagen, kämpfen und folglich kleine Frauen besser ernähren und beschützen konnte, bevorzugen wir auch in unserer Bürowelt immer noch XL-Herren, obwohl deren evolutionäre Überlebensvorteile längst nicht mehr von Bedeutung sind.

Allerdings muss man nicht die Steinzeit bemühen, um das weibliche Faible für Körperlänge verstehen zu können. Die Sache ist viel einfacher: Je größer der Mann, desto weniger hat er es nötig, den Macker zu spielen. Im Gegenteil: Große Männer machen meistens schon in ihrer Jugend die Erfahrung, dass man sie für Rädelsführer hält, sie für alles Mögliche verantwortlich macht, dass man sich hinter ihrem Rücken verschanzt oder ihnen Kräfte zutraut, die sie noch gar nicht haben. Immer sind sie es, die die Blicke auf sich ziehen und Aufmerksamkeit erwecken. Die Folge: Größere Männer müssen sich Mühe geben, ihrer Umgebung zu beweisen, dass sie durchaus zurückhaltend und sanftmütig sein können. Das prägt. Während kleine Männer oft darauf angewiesen sind, allen immer wieder zu erzählen, wie toll sie doch sind, nehmen sich ihre länger gewachsenen Geschlechtsgenossen zurück und sind deutlich entspannter. Woran wir Frauen durchaus Gefallen finden.

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Die körperlichen Vorzüge

Also doch eine Charakterfrage? Nicht ganz. Denn natürlich haben große Männer körperliche Vorzüge im Übermaß. Man ist nicht so schnell fertig mit ihnen. Wenn man den Kopf an ihre Brust legt, brummt es so schön. In ihren Budapestern fühlt man sich wieder so mädchenhaft albern wie damals, als man in Papas Schuhen durch die Wohnung stapfte. Und wenn sie an kühlen Abenden ihr Jackett borgen, ist es, als bekäme man einen Mantel. Ach, und die Umarmungen. Als hätte man endlich ein Etui gefunden, das vor der Welt da draußen schützt.

Eines allerdings haben wir an großen Männern nachdrücklich zu bemängeln. Ihre Körpergröße sagt nichts, nicht das Geringste aus über - na ja, Sie wissen schon. Und leider sehen im Verhältnis zu 170 Zentimetern 15 Zentimeter deutlich imposanter aus als im Verhältnis zu 1 Meter 90 und darüber. Obwohl: So wichtig ist das auch wieder nicht. In entscheidenden Augenblicken verlassen wir uns ohnehin lieber aufs Gefühl. Übrigens, was wir dringend noch sagen wollten: Am allerschlimmsten sind jene Männer, die sich und ihre Größe zu ernst nehmen. Wir Frauen tun das ja auch nicht.

Text: Theresia Bill