Presse + Medien - 2005 - Vereinsleben - - KLM e. V.

Vereinsleben

Der Klub der langen Menschen

Die Gabel mit dem Lammfleisch bleibt mitten in der Luft stehen. Mit offenem Mund starrt der verhinderte Esser auf die Gruppe von Menschen, die eben das Wiesbadener Restaurant betreten hat. "Manchmal kommt man sich vor wie ein Affe im Zoo", sagt Hans-Dieter Neumann. Der Zweimetermann hat sich - wie die meisten anderen vom Klub langer Menschen (KLM) - an die Blicke gewöhnt. Einmal im Monat treffen sich die Langen vom Bezirk Mainz/Wiesbaden zu ihrem Klub-Dinner. Frauen mindestens 1,80, Männer 1,90"Es ist toll mit Leuten zusammen zu sein, die so groß oder größer sind als man selbst", sagt Bezirksleiterin Petra Weitzel. Die Mainzerin ist 1,89 Meter groß und trägt Schuhgröße 45. XXL-Format ist im Verein eben Voraussetzung: "Frauen sollten mindestens 1,80 Meter, Männern 1,90 Meter groß sein." Das ist in allen 23 Bezirksgruppen des KLM Deutschland so. Der Verein wurde 1953 in München gegründet und hat rund 3000 Mitglieder. Zur Bezirksgruppe Mainz/Wiesbaden gehören rund 65 Lange.


"Wir essen mehr als die Kurzen"

Gemeinsam essen und zu Konzerten gehen, aber auch Ausflüge und Tanzkurse stehen beim Klub hoch im Kurs. "Es ist egal, ob man zum Klub langer Menschen, zum Kegelverein oder zum Yachtclub geht. Hauptsache man trifft nette Leute", sagt die KLM-Bundesvorsitzende Helga Schunk. "Aber wir essen mehr als die Kurzen", meint Neumann lachend. Das Quäntchen mehr wird für die Langen aber auch oft zum Problem: "Shoppen ist mühsam, denn selbst bei den Überlängen sind die Ärmel oder Hosenbeine zu kurz", erzählt Weitzel.


Das geht ins Geld

Extralange Wünsche gehen auch extra ins Geld, egal ob bei der Kleidung oder bei Möbeln. "Man muss sich in einigen Bereichen arrangieren", sagt Neumann. So wie im Flugzeug oder beim Bus fahren - richtig bequem sitzen die Langen selten. "Aber dieses Problem haben dicke Menschen auch", sagt der 2,07 Meter große Olaf Göltl. Er findet es schön, so groß zu sein: "Ich kann alles prima überblicken."



Führungsperson oder Bedrohung

"Man muss sich weniger Respekt verschaffen, weil man eine natürliche Autorität ausstrahlt", bekräftigt Helga Schunk. Doch Petra Weitzel widerspricht: "Große Männer werden als Führungspersönlichkeit angesehen, Frauen als Bedrohung." Die 45-jährige Ingenieurin spricht aus Erfahrung. "Es gibt viele Männer, die mit großen Frauen ein Problem haben - in der Beziehung und im Betrieb."



Passende Antwort für dumme Sprüche

"Wenn man sich selbst akzeptiert, ist alles andere zweitrangig", sagt Hans-Dieter Neumann. Für dumme Sprüche wie "du kannst ja aus der Dachrinne saufen" hat er meist eine passende Antwort parat. Nicht alle Langen haben von Anfang an dieses Selbstbewusstsein. Helga Schunk hat sich als junges Mädchen sogar überlegt, die Beine kürzen zu lassen. Heute kann sie darüber lachen: "Lange Arme mit kurzen Beinen sind auch nicht gut."


Zwölfjährige 1,96 Meter groß

Immer wieder bekommt der KLM Briefe von besorgten Eltern, deren Sprösslinge nicht aufhören wollen, in die Höhe zu schießen. "Wir haben von einer Zwölfjährigen gehört, die schon 1,96 Meter groß ist. Selbst mit Hormonbehandlung wird das Mädchen über zwei Meter groß", erzählt Schunk.


"Nicht anders, nur länger"

Der KLM hat zusammen mit internationalen Interessengruppen ein Institut gegründet, das sich mit Wachstumsfragen beschäftigt. "Viele haben aber auch psychische Probleme", erzählt Hans-Dieter Neumann. Die Mitglieder vom Klub langer Menschen aber sind mit sich im Reinen. "Wir sind nicht anders als die anderen, nur eben länger", sagt Olaf Göltl.